Kommission für Digitalisierung im Alltag

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Website: http://www.goingdigital.de/
SprecherIn: Marion Näser-Lather (Marburg), Barbara Frischling (Graz), Fiona Krakenbürger (Berlin)
Kontakt: info [at] goingdigital [dot] de

 

Internet, Mobiltelefonie, GPS und die mit ihnen verknüpften medialen
Praxen sind selbstverständlicher Bestandteil des Alltags geworden.
Innerhalb einer kulturgeschichtlich kurzen Zeitspanne haben sich diese
Speicher-, Produktions-,  Informations- und Kommunikationsmedien in die
Alltage eingeschrieben, als Endgeräte vielfältigster Formate in die
materielle Kultur, als Symbole und Signen in Deutungssysteme, als
Interfaces und Netzwerke in Sozialität, und als in ihren
Zukunftsaussichten offene Entwicklungen in unsere Imaginationen. Längst
bestimmen sie in allen Reproduktions- und Kommunikationsbereichen die
vorherrschenden Unterscheidungs-, Richtungs-, Handlungs- und
Organisationslogiken, auch wenn immer neue Innovationen auf den Markt
drängen und den Eindruck entstehen lassen, alles sei noch am Anfang.
Dabei zeichnen sich mit und durch die digitalen
Kommunikationstechnologien in allen Lebens- und Arbeitsbereichen
tiefgreifende Veränderungen ab: Infosozialitäten, Communities of
Projects, Icono-Clashes, Veränderte Arbeitsorganisationen, Clickworking,
Crowdsourcing für Forschung und Entwicklung, Ubiquitous Computing und
Cloudeconomy, Kognitiver Kapitalismus, Blended Learning,
Computerspielzeug, etc.

Als eine Kommission der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
(www.d-g-v.de) will die Kommission „Digitalisierung im Alltag“ solche
Dynamiken aus einer spezifisch volkskundlich-kulturwissenschaftlichen
Perspektive beleuchten. Die Kommission bündelt in diesem Sinne die im
Fach laufenden Forschungen im Themenbreich, setzt sie in Beziehung
zueinander und trägt dadurch insbesondere der wachsenden Zahl an
Forschungen durch den wissenschaftlichen Nachwuchs Rechnung.

Die Aufgaben, die sich den volkskundlich orientierten Fächern dabei
stellen, sind weit gespannt. Neben die Kernkompetenz des Faches, die
ethnographische Erforschung der Einbettung digitaler Medien im Alltag,
treten zum Beispiel historische Forschungen zu Netzkulturen der 80er und
90er Jahren, Forschungen zur Erzeugung und Steuerung digitaler
Plattformen, zur Digitalisierung sozialen Zusammenlebens, zur
Digitalisierung von Arbeitsprozessen wie auch zur Digitalisierung
zahlreicher Freizeit- und Vergnügungsaktivitäten. Es zeigt sich dabei
immer wieder, dass klassische Themen und Konzepte des Faches, wie zum
Beispiel die Idee des Amateurs, in der Erforschung digitaler
Medieninfrastrukturen neu fruchtbar werden, dass zugleich aber auch
seine Zugänge und Methoden oft neu gewendet und ergänzt werden müssen.
Denn die Veränderungen des Alltags durch Digitalisierungsprozesse
betrifft auch die Forschungszugänge. Bei stetig steigendem Anteil der
medienvermittelten Kommunikation, Interaktion und Wissensproduktion in
den erforschten Alltagskontexten können diese mit ihren sozialen Formen
und Praktiken vielfach nur dann angemessen begriffen werden, wenn die
spezifischen Qualitäten, Funktionen und Bedeutungen der neuen medialen
Kommunikationsformen Berücksichtigung finden.

Der gewählte Gegenstand bringt die Notwendigkeit verstärkter
transdisziplinärer Zusammenarbeit mit sich und verlangt auch eine
Offenheit für verschiedene medientheoretische Zugriffe – andererseits
kann eine volkskundlich-kulturwissenschaftliche Erforschung der
Digitalisierungsprozesse im Alltag wichtige Beiträge im
multidisziplinären Diskurs um die sogenannten ‚neuen Medien‘ leisten.
Gerade die methodische Vielfalt und Flexibilität des Faches kann dabei
verbindende Brücken bauen und ethnographische wie historisch orientierte
Forschungen bereitstellen, die vielerorts noch immer vermisst werden.