CfP 9. Kommissionstagung (2016): Numinoses Erzählen: Das Andere – Jenseitige – Zauberische

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Call for Papers: Numinoses Erzählen: Das Andere – Jenseitige – Zauberische

 

9. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e. V. (dgv), in Kooperation mit dem Landesheimatbund e. V. sowie der Volkskundlichen Kommission für Sachsen-Anhalt e. V.

 

Datum:  7. bis 10. September 2016

Ort: Bad Kösen / Merseburg

 

Das Numinose bezieht sich auf ein genuines Thema der Erzählforschung. Es ist das Ungewöhnliche, das erzählenswert ist, das aber zum Außerordentlichen werden kann und in der erzählerischen Gestaltung verschiedene Formen annimmt.

Aus lateinisch numen „göttliche Macht, göttliches Walten, Wirken“ ist in der Erzählforschung eine Begrifflichkeit geworden, die zur Erklärung von Spezifika des Erzählguts und des Erzählens herangezogen wird. Helge Gerndt definierte für die „Enzyklopädie des Märchens“: „Das Numinose bezeichnet eine geheimnisvolle, übernatürliche Wirkkraft; etwas Jenseitiges von meist nur verschwommen wahrgenommener, unbestimmter, Gestalt, das den religiös empfindenden Menschen erschreckt oder fasziniert.“

Erzählforscher nutzten die Kategorie zur Charakterisierung der moderneren Gattungen wie Märchen, Sagen, Legenden, Mythos und Fabel. Diese Formen nehmen Übernatürliches und Wunderhaftes auf. Der Umgang mit diesem unterscheidet sich etwa in der Berührung des Erzählenden und des Hauptakteurs der Erzählung. Erscheint das „Wunder selbstverständlich“ zu sein und wird eine „andere und zwar machtvollere und wesentlichere Wirklichkeit als die nur menschliche, profane, alltägliche“ erzählt? (Lüthi, Märchen, 1990, S. 7)

In der Nachfolge Rudolf Ottos beziehen sich Wissenschaftler transdisziplinär auf das Thema, so etwa psychoanalytische Schulen, Volkskundler, Kultur- und Religions-, Literatur- und Medienwissenschaftler_innen.

Heutige medial verbreitete Erzählformen wie Documentary, Computerspiel, Horror, ‚Splatter‘ u.a.m. nutzen tradierte und integrieren internationale Formen und Inhalte. Personifikationen des Numinosen suchen sich einen Zugang zu diesem Bereich des anscheinend Unsagbaren. Ein Bedürfnis nach quasi-religiösen Inhalten und Stimmungen legt ein Blick in die zeitgenössischen Formen und Veröffentlichungen nahe.

 

Folgende Themenbereiche bieten sich an:

1.      Stand der Forschung und Problematisierung des Konzepts

2.      Gattungen, Formen, Medien und ihre Beziehungen zur Numinosität

3.      Religion und Numinosität

4.      Region, Identität und Numinosität

5.      Das Numinose erzählen, Fragen der Performanz und Inszenierung

6.      Erzähltypen, Erzählstoffe, ihre Tradierung und der Anteil der Numinosität

 

Diese Fragen verknüpfen sich mit denen vergangener Tagungen und führen diese Thematik weiter:

Was wird erzählt? Was wird nicht erzählt und warum nicht? Wie wird das Numinose erklärt? Wie wird das Numinose erzählt? Wird ihm ein Sinn unterlegt? Welche Quellen und Materialien bieten profunde Zugänge? Was sagen uns die Befunde über die Befindlichkeiten und Gedächtnisinhalte der Bevölkerung?

 

Die Tagung orientiert auf historisch-kritische sowie zeitgeschichtliche, vergleichende und materialgesättigte Arbeiten.

 

Abstract: maximal eine DIN A4-Seite (circa 2500 Zeichen inklusive Leerzeichen); neue, bisher unveröffentlichte Forschungsbeiträge; Einsendeschluss 15.1.2016

 

Anmeldungen sowie Abstracts sind, vorzugsweise elektronisch, an die Kommissionsvorsitzende zu senden:

 

Dr. Kathrin Pöge-Alder

Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V.

Referentin für historische und gegenwärtige Alltagskultur (Volkskunde)

Magdeburger Straße 21

D-06112 Halle (Saale)

Mail: poege-alder [at] lhbsa [dot] de