disziplinlos - dgv-Studierendentagung

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Jeder überschreitet ständig und überall Grenzen, setzt sich mit seiner eigenen Position auseinander, verortet, verpartnert, versichert, verdreht sich; bewusst oder ungewollt. Allzeit verfließen Grenzen, seien es die eigenen oder fremdbestimmte, seien sie real, ideel oder virtuell. Dieses Entlaufen kann den Verlust von Kontrolle, die Umkehrung von Verhältnissen, Chaos, Unordnung, Anarchie bedeuten. Zugleich eröffnet es aber auch neue Perspektiven, neue Freiheiten, schafft neue Orientierungen!

Gleicht jede Generation von Babys dem Einfall einer Horde Barbaren, wie Sigmund Freud es einmal formulierte, zeigt sich, welche Rolle die Disziplinierung – das Setzen von Grenzen – für die Kultivierung des Menschen spielt. Disziplin und ihr Ausbleiben als Widerstreit, ähnlich wie Leistung und Lust oder eben Ordnung und Chaos, erzeugt genau die Reibungshitze, die Bewegung, Wandel und Fortschritt erfordern. Das Für und Wider von Disziplin(losigkeit) ist der Treibstoff einer Zivilisation, die sich selbst genauestens betrachtet und nicht einmal vor den komplexesten Denkstrukturen und Wissenschaftsdisziplinen Halt macht.

Die Studierendentagung disziplinlos 2012 in Mainz hat sich zum Motto gesetzt, den Fragen Beachtung zu schenken, die sich aus dem Umgang verschiedenster menschlicher Betrachtungsweisen mit Disziplin ergeben und diese gemäß einem fächerübergreifenden Erkenntnisinteresse zu diskutieren.

Was ist Disziplin, was disziplinlos? Wer legt fest, was, wann, wo Disziplin bedeutet? Wo hört Pflicht auf, wo fängt Freiheit an? Welchen Nutzen birgt Disziplin? Welchen Schaden kann sie erzielen?

Die viertägige Tagung wird sich in Workshops, Gesprächsrunden und Vorträgen eingehend mit diesen Grundfragen der menschlichen Sinnstiftung befassen. Dies geschieht nicht nur im Mikrokosmos rein volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Betrachtung. Auf zweiter Ebene soll disziplinlos nämlich auch die besondere Offenheit und Mehrdimensionalität des Vielnamenfachs Kulturanthropologie/Volkskunde, gerade auch in der speziellen Situation an der Universität Mainz, dokumentieren und mit Leben füllen. Deshalb ist sowohl in der Perspektive als auch in den einzelnen Diskussionsschwerpunkten ausdrücklich Input aus den anderen Disziplinen gefragt, denen die Volkskunde besonders nahe steht; sei es die Germanistik, Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft, Ethnologie, Geschichte oder Soziologie.

Disziplinlos kann also alles bedeuten – nur nicht Stillstand!

 

http://campus-mainz.net/disziplinlos/

Termindatum: 
25. Mai 2012 - 28. Mai 2012
Tagungsort: 
Mainz